13.02.2019 21:55
von Jochen Metz

Warum sollte / muss ich als Landwirt Anbauplanung machen:

  1. Fixkosten reduzieren

    1. Die Pachtkosten pro ha sind bei 80dt/ha Ertrag die gleichen wie bei 100dt/ha, bei z.B. 500 Euro/ha Pacht sind die Kosten bei 100dt/ha um 1,25 Euro/100kg niedriger oder 20% Prozent niedriger! Umgekehrt steigen die Kosten um 33% (2,08 Euro/100kg) wenn man statt 80dt/ha nur 60dt/ha Erntet. Zwischen einen guten Ackerbauern und einem schlechten Ackerbauern liegen als 3,33 Euro/dt Gewinnspannenunterschied, egal ob der Weizen 15 Euro oder 25 Euro/dt kostet.

    2. Das gleiche gilt auch für die Fixkosten Arbeitszeit, Maschinen, Dreschen/Häckseln, Saatgut, Düngung und Standard Pflanzenschutz.

    3. Durch ein höheres Ertragsniveau lassen sich also Kostenblock der Fixkosten massiv reduzieren und die Sicherheit ob Gewinn erzielt wird oder nicht steigt massiv! Ein guter Ackerbauer mit hohen Ertragsniveau hat ca 5-7 Euro/dt Rohmargen Vorsprung.

  2. Düngebilanz und Umwelt entlasten

    1. Des Weiteren darf ich z.B. bei 20dt mehr Ertrag (Basis 80dt/ha bei Weizen) auch 20kg N/ha mehr düngen. Umgekehrt, wenn er nur 60dt/ha Erntet, darf er 30 kg N/ha weniger düngen. Das macht 50kg/ha N Unterschied aus zwischen einen guten Ackerbauern und einem schlechten Ackerbauern.

    2. Beim Phosphat Entzug, besonders wichtig für einen Betrieb mit viel Gülle, ist auch der Ertrag entscheidend.

    3. Die billigste Gülle Verwertung ist ein hoher Ertrag im Ackerbau. Schlechten Ackerbau kann sich niemand mehr leisten. Gülle Aufbereitung und Entsorgung ist einfach zu teuer und nur wenn es fachlich und rechtlich notwendig ist anzustreben.

  3. Qualität Produzieren

    1. Gesunde und fachlich vernünftig ernährte Pflanzenbestände liefern auch Qualität

    2. Kranke und unterernährte Pflanzenbestände liefern nicht nur weniger Ertrag, sondern auch eine schlechte Qualität

    3. Das gilt nicht nur beim Getreide, sondern auch beim Mais und Grünland.

    4. Viele Probleme in der Fütterung, Milchvieh wie auch Biogas, entstehen schon am Acker. Ob das der Besatz mit Pilzen ist, vorzeitig abgereifte Bestände die krankt und oder „verhungert“ sind, oder ins Lager gegangene Bestände die eine schlechte Stroh und Getreidequalität liefern. Auch viele teurere Nährstoffe in Mineralfutter oder Biogasadditiven lassen sich billig düngen. Das bringt Leistungsstabilität in der Mast, Zucht, Milch und im Fermenter und somit mehr Ertrag und Gewinn.

  4. Zusätzliche Gewinne über die Fruchtfolge realisieren

    1. Einseitige, enge, kurze Fruchtfolgen erhöhen die Ausgaben für Pflanzenschutz, Dünger und schaffen häufig unnötige Arbeitsspitzen

    2. Einseitige, enge, kurze Fruchtfolgen sind anfälliger für Ertragsschwankungen, die auf Klima, Wetter, Krankheiten oder auch Preisrisiken zurück zu führend sind.

    3. Wenn alle (Europaweit) 1/5 der Fläche jedes Jahr brach liegen lassen würden, würde das ungefähr einer jährlichen Dürre in Australien entsprechen und die Preise nach unten absichern und die Umwelt genauso entlasten wie alle anderen aktuellen Maßnahmen zusammen. Das Beste ist das die Landwirte 20% mehr Zeit hätten um die Restliche Fläche intensiv und sinnvoll zu bewirtschaften. Wahrscheinlich wäre der Ertrag sogar derselbe. In diesem Fall hätte der Landwirt seine kosten um 20% gesenkt, was unter dem Gewinnaspekt wahrscheinlich auf dasselbe kommt.

  5. Mensch sein und werden

Als erstes „Zeit nehmen“. Das ist das schwerste. Es gibt immer etwas im Stall, Biogasanlage, etc. oder auch im Privaten (Partner, Kinder, Familie Freunde) und öffentlichen Bereich (Vereine, Kirche, Partei, Lohnarbeit etc.) zu tun. Zeit ist nicht vermehrbar, aber vielleicht kann man für sich Zeit gewinnen, in dem man bestimmte Dinge an andere abgeben kann, bewusster und effizienter Kommuniziert und organisiert im öffentlichen und Privaten Bereich und auch auf manche Dinge verzichtet. Grundlegende Sachen wie Betriebsplanung muss man aber selbst machen (auch mit Partner, Kinder Familie) und hier kann man sich bestenfalls unterstützen und beraten lassen. Entscheidungen muss man selbst fällen. Denn der Landwirt ist trotz aller Gesetze und Regeln immer noch ein Selbstständiger Unternehmer. Das heißt im schlimmsten Fall „Selbst“ = alles selber machen und „ständig“ = kaum/oder wenig Pausen zu haben. Eine gute und realistische Betriebsplanung (und Familienplanung) verhindert dies und schenkt Ihnen viele Freiräume, Freude und vor allem einen nachhaltigen Erfolg, sowohl privat, wie finanziell und auch nach außen. Wer sich diese Zeit nicht nimmt, wird der Zeit, der Freude und dem Erfolg finanziell wie auch als sozialer Mensch immer hinterher laufen ohne ihn je zu erreichen. Das darf nicht sein. Landwirte sollten keine Märtyrer sein, sondern erfolgreiche, selbstbewusste, sozial integrierte Unternehmer. Auch wenn Verbände, Staat, Medien, Gesellschaft und Behörden die Bauern gerne zu „Bauernopfer“ machen, so kann man diese Tendenz nur vorbeugend bekämpfen, in dem man in vielen Bereichen nicht nur das Mindeste tut, sondern auch das Richtige im richtigen Maß. Am Wochenende nur wirklich notwendige Dinge zu tun, tut nicht nur dem öffentlichen Bild vom Landwirt gut, sondern auch der eigenen Familie und Freunde, wenn man die Zeit mit ihnen gestaltet. Wer langfristig Substrat für Biogas oder Futter für Milchvieh anbaut, kann um den Maisacker Silphie oder Szaravasi anbauen, um Abstandsauflagen einzuhalten, Umwelt zu schützen und fürs Auge der „Vermaisung“ vorzubeugen. Wer knapp an Zeit ist, findet vielleicht im Bekanntenkreis, interessierte Mitarbeiter, die bei regelmäßig oder bei Arbeitsspitzen, gerne mithelfen, weil sie z.B. gerne mit Kälbern umgehen oder gerne mal mit dem Häcksler oder Traktor fahren. Das sind alles Beispiele und Möglichkeiten.

Zurück

Diese Seite benutzt Cookies, um Ihnen das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Mehr Informationen
Verstanden!