15.02.2019 09:14
von Jochen Metz

Wie werde ich zum Ackerbauern mit der Chance das volle Ertragspotential auszunutzen

  1. Böden und Niederschlag kennen

    1. Auch wenn wir hier wieder bei Adam und Eva anfangen. Der Grundstock jeden Ertrages und somit Erfolges ist der Boden

    2. Wer seinen Boden kennt, d.h. Bodenart, mögliche Bearbeitungsarten, Zustand weiß welche mittel und langfristigen Ziele er verfolgen muss.

      1. Boden verbessern

        1. Kalken

        2. Fruchtfolge

        3. Zwischenfrüchte

        4. Sinnvolles Nährstoff Gleichgewicht anstreben

      2. Boden bearbeiten

        1. Struktur verbessern durch richtige Bearbeitung

        2. Strukturschäden erkennen, beheben und vermeiden

        3. Die Bearbeitung muss sich dem Boden und Witterung anpassen, nicht der Boden und die Witterung der Bearbeitung!

        4. Zeitpunkt der Bearbeitung ist auf schwierigen Böden genauso entscheidend, wie das man dabei ist, wenn eine Kuh kalbt oder die Biogasanlage gleichmäßig gefüttert wird.

        5. Auch Ackerbau fordert seine Leistung zur rechten Zeit.

      3. Planung

        1. Auch wenn sich zur Zeit viele Vorgaben ändern, ist eine langfristige Anbauplanung das A und O des Erfolgs im Ackerbau.

        2. Wer hier kein sinnvolles Konzept aufstellt, wird in jeder Betriebsart (Ackerbau, Futterbau, Bio, Biogas) bestenfalls im Mittelfeld, aber nie gezielt unter den Spitzenbetrieben sein.

        3. Einseitige Fruchtfolgen können nicht mehr durch Pflanzenschutz (hier werden die Wirkstoffe weniger) und Düngung (hier werden die Mengen begrenzt) ausgeglichen und repariert werden. Stoppelweizen, enge Rapsfruchtfolgen und andere Sünden kann sich niemand mehr leisten.

    3. Niederschlag und Witterung

      1. Kein Mensch kennt das genaue Wetter, allerdings gibt es heute viele Hilfsmittel (Wetterapp/fax, Beraterinfos, professionelle Wetterdienstleister (dwd, Kachelmannwetter etc.)), um zumindest eine Wahrscheinlichkeit ob und wieviel es Regnet oder ob es kalt oder warm wird.

      2. Auch gibt es bestimmte Verhaltensregeln, die sich über die Jahre bewährt haben. z.B. in Trockengebieten sollte die Düngung sich auf die 1. Und 2 Gabe konzentrieren, weil es häufig bei der 3. Gabe nicht mehr richtig wirkt.

      3. Eigene Aufzeichnungen vorher gegangener Jahre oder Wetterhistorien vom amtlichen Dienst oder Wetterstationen, lassen, immer wieder, bei ähnlichen Verläufen im Winter/frühen Frühling auf die Witterung des Jahres schließen. So genannte Bauernregel für die eigenen Standorte. Extreme ausgenommen.

      4. Nutzt man diese Quelle kann man die Unsicherheit reduzieren und den Anbauerfolg und Gewinn erhöhen.

    4. Wer Boden und die örtliche Witterung und Niederschlagsverhältnisse kennt, der kann jetzt Entscheiden welche Kulturen Sinn machen und wie hoch das Ertragspotential ist und somit der Anbauplanung beginnen.

  2. Was ist in der Anbauplanung wichtig?

    1. Ertragspotential, das heißt, wieviel kann ich Ernten, wenn alles optimal läuft

    2. Ertrags- und Anbauhistorie, was wurde die letzten 10 Jahre unter Berücksichtigung des Wetters, Bodenstruktur, Anbauintensität, Fruchtfolge und „Anbaufehlern“ geerntet. Hier gilt absolute Ehrlichkeit gegen sich selbst. Wer das nicht genau macht kann sich die Anbauplanung schenken.

    3. Differenz Ertragspotential und Ertragshistorie, wie kann ich die schließen?

      1. Häufig lassen sich grobe Fehler schon aus der Anbauhistorie erschließen wie

        1. Veraltete Sorten angebaut

        2. Zu enge Fruchtfolge

        3. Düngung passte nicht zum Witterungsverlauf (im Durchschnitt, nicht im Einzeljahr)

        4. Wichtige Ackerbauliche Maßnahmen zum falschen Zeitpunkt oder weggelassen (zu spät verkürzt, kein Fungizid eingesetzt, Maisstoppeln nicht zerkleinert, keine oder zu geringe Schwefeldüngung etc.)

        5. Arbeitsspitzen im Stall, Futterbau und Ackerbau nicht abgeglichen, sodass für einen vernünftigen Ackerbau zu wenig Zeit übrig bleibt.

        6. Strukturschäden ziehen sich häufig wie ein roter Faden durch die Anbauhistorie von der Entstehung (z.B. Dreschen oder Häckseln bei zu feuchten Boden) bis Sie wieder behoben sind (falls überhaupt). Hier sieht am auch häufig Unterschiede zwischen vom Typ her „gleichen“ Äckern mit und ohne Strukturschäden und kann auch den Schaden in Ertrag und Geld bewerten.

      2. Anbau Intensität ist sowohl wichtig für die Ertragssteigerung als auch für die Ertragsstabilität wichtig.

        1. Richtiger Fungizid- und Wachstumsregler- Einsatz bekämpft nicht nur Krankheiten und Lager, sondern steigert auch die Vitalität der Pflanze und macht in trockenen Jahren einen entscheidenden Unterschied in der Wassereffizienz der Pflanze aus. Das heißt die Pflanze kommt länger mit dem vorhandenen Wasser über die Runden bis es wieder regnet und hat vitalere und längere Wurzeln und mehr feinwurzeln, die auch mehr Wasser aus dem Boden saugen. (Wenn dieser eine gute Bodenstruktur hat)

        2. Viele Spurenelemente sind entscheidend für den Ertrag und Qualität. In der Vergangenheit wurde dies oft durch zusätzliche Düngung von Stickstoff und Phosphat versucht auszugleichen. Diesen Weg versperrt uns die neue Düngeverordnung. Durch gezielten Einsatz von Spurenelementen, Schwefel, Magnesium (und Kali auf Betrieben ohne und mir wenig Gülle pro ha) lässt sich mit wenig Kosten und Aufwand der gleiche Ertrag und Qualität wie in der Vergangenheit erzielen.

        3. Unkräuter und Ungräser müssen verstärkt über die Fruchtfolge und mechanische Maßnahmen bekämpft werden.

          1. Enge Getreide/Rapsfruchtfolgen durch Sommerungen auflockern.

          2. Einseitige Biogasfruchtfolgen, durch alternative Substrate, wie Szaravasi oder Silphie auf schwachen und erosionsgefährdeten Standorten auflockern, oder GPS und Zweitfrucht auf ertragsstarken, feuchten Standorten. Hier spielt auch die Möglichkeit das Gülle auch noch im Mai/Juni z.B. nach GPS vor der Zweitfrucht oder nach 1. Schnitt Szaravasi auszubringen eine entscheidende Rolle. Untersaaten im Mais sollten wirklich nur auf Standorten mit einer sicheren Wasserversorgung (auch im Sommer) gemacht werden. Nichts ist sinnloser und teurer als eine vertrocknete Untersaat und ein im Ertrag reduzierter Mais.

          3. Scheinbestellung im Ende August/Anfang September, mechanische Zerstörung der aufgelaufenen Unkräuter und Ungräser und spätere Aussaat im Herbst (wenn es die Witterung zulässt), falls die Fruchtfolge sich kurzfristig nicht anpassen lässt.

        4. Wechsel der Wirkstoffe und Wirkgruppen bei Pflanzenschutzmittel ist wichtig, sowohl in der Frucht (nicht immer das gleiche Herbizid/Fungizid spritzen) selbst als auch in der Fruchtfolge (Gerste Ackerfuchsschwanz mit Herbst Trinity/Boxer etc. und Frühjahrsherbiziden Axial bekämpfen, Atlantis/Broadway im Weizen, dafür im Mais auf Maister / Motivel wenn möglich verzichten.

        5. Die Sortenwahl spart zum Teil auch viel Aufwand und liefert häufig kostenlos mehr Ertrag.

          1. Standfeste Sorten, wenn viel Gülle ausgebracht wird oder es sehr trockene Standorte sind

          2. Gesunde Sorten, wenn Standort sehr trocken ist oder wenig Zeit für mehrmalige Fungizid Einsätze ist.

          3. Winterharte Sorten, wenn der Standort für Auswinterungen gefährdet ist

          4. Diese Sorten müssen aber mindestens die 98% unbehandelt erreichen im Sortenversuch, sonst sind die Eigenschaften „wertlos“ unter dem Strich.

          5. Sorten die bekannter Weise besonders krankheitsanfällig sind, machen nur Sinn, wenn Sie mindestens10dt/ha mehr Ertrag bringen als der Durchschnitt und wenn der Anbauer bereit ist die notwendigen Mehrbehandlungen durchzuführen. (Zeit und Geldaufwand). Massive Schwächen in Standfestigkeit, Auswinterung, Kornqualität, Fallzahl und Fusarium sind nicht zu tolerieren.

          6. Neuere Sorten (nicht alle) sind häufig gesünder, ertragreicher und ertragsstabiler.

          7. Allein die Falsche Sorte auf den Falschen Standort und am besten noch zur Falschen Fruchtfolge, kann genauso viel Ertragsunterschied ausmachen wie extensiver Anbau zu intensivem Anbau. Extrembeispiel: Anbau von Asano Weizen auf einem Acker mit Vorfrucht Mais ohne Stoppelzerkleinerung auf einen nassen Standort, bei einem Betrieb der mit Stall und Futterbau schon zu 120% ausgelastet ist. Hier sind schlechte Erträge und Qualitäten schon vorprogrammiert, da der Betrieb keine 2-3x Fungizid spritzen kann, wegen Zeitmangels. Hier wäre mit dem gesunden Sorte Spontan als Wahl die Anzahl der Fungizidbehandlungen auf 1x reduziert bei gutem Ertrag und Qualität.

 

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